Was bedeutet die Herstellerqualifikation im Druckbehälterbau?
Wer Druckbehälter oder drucktragende Komponenten beschafft, stößt häufig auf Begriffe wie Druckgeräterichtlinie, AD 2000, HP 0, ISO 3834 und Herstellerqualifikation. Diese Begriffe hängen zusammen, bedeuten aber nicht dasselbe.
Besonders wichtig: AD 2000 HP 0 ist keine allgemeine „Druckbehälter-Zulassung“ für jedes denkbare Bauteil. Das Merkblatt beschreibt die allgemeinen Grundsätze für Auslegung, Herstellung und die damit verbundenen Prüfungen von Druckbehältern.
Für einen Hersteller bedeutet das vor allem: Er muss organisatorisch und technisch in der Lage sein, die vorgesehenen drucktragenden Komponenten qualitätsgesichert herzustellen. HP 0 betrachtet damit nicht nur die fertige Schweißnaht, sondern den Herstellbetrieb dahinter.
Was ist das AD-2000-Regelwerk?
AD 2000 ist ein technisches Regelwerk für Druckgeräte. Es umfasst Merkblätter zu Themen wie:
Auslegung
Werkstoffen
Herstellung
Schweißtechnik
Prüfungen
Dokumentation
Die HP-Reihe beschäftigt sich mit Herstellung und Prüfung. Neben HP 0 gehören dazu eigene Merkblätter, etwa HP 2/1 zur Schweißverfahrensprüfung, HP 3 zu Schweißaufsicht und Schweißern, HP 4 zu Prüfaufsicht und Prüfern sowie die HP-5-Merkblätter zur Herstellung und Prüfung der Verbindungen.
AD 2000 ist damit kein einzelnes Zertifikat, sondern ein umfassender technischer Regelwerksrahmen. Übersicht der AD-2000-Merkblätter
Was hat HP 0 mit der Druckgeräterichtlinie zu tun?
Die europäische Druckgeräterichtlinie 2014/68/EU regelt Auslegung, Herstellung und Konformitätsbewertung von Druckgeräten und Baugruppen mit einem maximal zulässigen Druck PS über 0,5 bar. AD 2000 ist dagegen ein technisches Regelwerk, mit dem diese Anforderungen in Deutschland häufig konkret umgesetzt werden – neben DIN EN 13445 für Druckbehälter und DIN EN 13480 für Rohrleitungen.
Ebene
Was dort festgelegt wird
Druckgeräterichtlinie 2014/68/EU
gesetzlicher Rahmen für das Inverkehrbringen von Druckgeräten
technisches Regelwerk, etwa AD 2000 oder DIN EN 13445
nach welchen technischen Regeln ausgelegt, gefertigt und geprüft wird
HP 0 und weitere AD-Merkblätter
Anforderungen an Hersteller, Verfahren, Personal und Prüfungen
Beide Ebenen beantworten unterschiedliche Fragen: Die Richtlinie sagt, welche gesetzlichen Anforderungen beim Inverkehrbringen gelten. AD 2000 sagt, nach welchen technischen Regeln ein Druckgerät konstruiert, gefertigt und geprüft werden kann. Richtlinie 2014/68/EU
Gilt die Druckgeräterichtlinie immer ab 0,5 bar?
Grundsätzlich gilt sie für Druckgeräte und Baugruppen mit PS über 0,5 bar – sie enthält allerdings auch Ausnahmen und unterschiedliche Einstufungen. Die Angabe „Der Behälter arbeitet mit 2 bar“ reicht deshalb nicht aus, um die Anforderungen festzulegen. Relevant sind unter anderem maximal zulässiger Druck, Volumen, Fluid, Temperatur, Bauart und konkrete Verwendung.
Was bedeutet Herstellerqualifikation?
Eine Herstellerqualifikation bestätigt, dass ein Betrieb für einen definierten Tätigkeitsbereich geeignete Voraussetzungen besitzt. Bei geschweißten Druckgeräten gehören dazu insbesondere:
geeignete Fertigungseinrichtungen
qualifiziertes Personal
Schweißaufsicht
qualifizierte Schweißverfahren
Werkstoffkontrolle
Prüfverfahren
dokumentierte Qualitätssicherung
Ein HP-0-Zertifikat beschreibt typischerweise ein produktbezogenes Qualitätssicherungssystem, geeignete Einrichtungen zur Werkstoffverarbeitung und Prüfung sowie verantwortliches Aufsichts- und fachkundiges Fertigungspersonal – also den Nachweis für einen qualitätsgesicherten Herstellungsprozess.
Was hat ISO 3834 damit zu tun?
DIN EN ISO 3834 beschreibt Qualitätsanforderungen für das Schmelzschweißen metallischer Werkstoffe – sie betrachtet also speziell die schweißtechnische Qualitätssicherung und bildet die Grundlage, auf der Herstellerqualifikationen im Umfeld von AD 2000 HP 0 aufbauen.
AD 2000 HP 0 – betrachtet den Druckgerätebau.
DIN EN ISO 3834 – betrachtet die Qualität des Schweißprozesses.
Beides überschneidet sich bei geschweißten Druckgeräten erheblich, ist aber nicht identisch. Schweißverfahren im Vergleich
Was wird bei der Schweißtechnik geprüft?
Für Druckbehälter genügt die Aussage „Unsere Mitarbeiter können Edelstahl schweißen“ nicht. Je nach Projekt und Regelwerk müssen nachgewiesen sein:
qualifizierte Schweißverfahren
Schweißanweisungen
qualifizierte Schweißer
geeignete Zusatzwerkstoffe
verantwortliche Schweißaufsicht
definierte Prüfungen
Innerhalb des AD-2000-Regelwerks gibt es dafür eigene Merkblätter, etwa HP 2/1 zur Schweißverfahrensprüfung und HP 3 zu Schweißaufsicht und Schweißern. Der Schweißprozess muss reproduzierbar beherrscht werden – nicht nur einmal funktionieren.
Was ist eine WPS?
WPS steht für Welding Procedure Specification, also Schweißanweisung. Sie beschreibt die festgelegten Parameter für einen bestimmten Schweißprozess, zum Beispiel:
Verfahren
Grundwerkstoff
Zusatzwerkstoff
Materialstärke
Nahtgeometrie
Strom und Spannung
Schutzgas
Vorwärmung oder Zwischenlagentemperatur
Für qualifizierte Prozesse baut eine solche Anweisung auf einer geeigneten Verfahrensqualifikation auf: Schweißanweisung, Schweißverfahrensprüfung und die anschließenden Prüfungen des Prüfstücks gehören zusammen.
Warum ist Werkstoffrückverfolgbarkeit wichtig?
Ein Druckbehälter ist nur dann nachvollziehbar dokumentiert, wenn klar ist, welcher Werkstoff tatsächlich verarbeitet wurde. Je nach Projekt können erforderlich sein:
Werkstoffzeugnisse
eindeutige Materialkennzeichnung
Zuordnung von Bauteil und Zeugnis
dokumentierte Materialweitergabe
Kennzeichnung nach Bearbeitung
Gerade wenn Bleche zugeschnitten und anschließend zu mehreren Komponenten verarbeitet werden, muss die Identität des Werkstoffs über die Fertigung hinweg erhalten bleiben. Dokumentation beginnt deshalb beim Materialeingang – nicht erst beim fertigen Behälter.
Welche Prüfungen gehören dazu?
Das hängt vom konkreten Druckgerät und der Spezifikation ab. Mögliche Prüfungen sind:
Sichtprüfung
Maßkontrolle
Druckprüfung
Dichtheitsprüfung
Eindringprüfung
radiografische Prüfung
Ultraschallprüfung
weitere zerstörungsfreie Prüfungen
Das AD-2000-Regelwerk enthält eigene Anforderungen an Prüfpersonal und Prüfverfahren – unter anderem HP 4 für Prüfaufsicht und Prüfer sowie die HP-5-Merkblätter zur Herstellung und Prüfung der Verbindungen. Welche Prüfungen tatsächlich erforderlich sind, bestimmen Bauteilspezifikation und angewendetes Regelwerk.
Bedeutet HP 0 automatisch CE-Kennzeichnung?
Nein – das ist eine wichtige Abgrenzung. Die CE-Kennzeichnung eines konkreten Druckgeräts entsteht im Rahmen der Konformitätsbewertung nach der einschlägigen europäischen Gesetzgebung. Eine Herstellerqualifikation nach AD 2000 HP 0 weist dagegen nach, dass der Herstellbetrieb für den definierten Bereich die erforderlichen technischen und organisatorischen Voraussetzungen besitzt.
Herstellerqualifikation und Produktkonformität sind zwei unterschiedliche Ebenen. Ein qualifizierter Hersteller produziert also nicht automatisch jedes Druckgerät ohne weitere projektspezifische Bewertung.
Darf mit HP 0 jeder Druckbehälter gefertigt werden?
Ebenfalls nein. Für ein konkretes Projekt müssen weiterhin geprüft werden:
Werkstoff
Abmessungen
Druck
Temperatur
Fluid
Fertigungsverfahren
Schweißverfahren
Prüfanforderungen
angewendetes Regelwerk
Umfang der Herstellerqualifikation
Entscheidend ist deshalb der konkrete Geltungsbereich einer Herstellerbescheinigung.
AD 2000 oder EN 13445?
Für unbefeuerte Druckbehälter existieren verschiedene technische Regelwerke: AD 2000 als in Deutschland häufig eingesetztes technisches Regelwerk und DIN EN 13445 als harmonisierte europäische Normenreihe für unbefeuerte Druckbehälter.
Welche Regelbasis für ein konkretes Projekt eingesetzt wird, sollte früh zwischen Konstrukteur, Hersteller und gegebenenfalls benannter Stelle festgelegt werden. Ein fertiges Bauteil sollte nicht nachträglich zwischen verschiedenen Regelwerken umgedeutet werden müssen.
Was sollte ein Einkäufer prüfen?
Bei einem Hersteller von Druckbehältern sind insbesondere diese Fragen sinnvoll:
Ist eine aktuelle Herstellerqualifikation vorhanden?
Für welchen Fertigungsumfang gilt sie?
Welche Werkstoffe werden verarbeitet?
Sind die benötigten Schweißverfahren qualifiziert?
Welche Schweißaufsicht ist vorhanden?
Welche Prüfungen können durchgeführt beziehungsweise organisiert werden?
Wie wird die Werkstoffrückverfolgbarkeit sichergestellt?
Welche Dokumentation wird geliefert?
Nach welchem Regelwerk wird das konkrete Druckgerät gefertigt?
Für die erste Beurteilung eines Druckbehälters sind hilfreich:
Zeichnung oder STEP-Daten
Behältervolumen
maximal zulässiger Druck
Betriebs- und Auslegungstemperatur
Medium
Werkstoff
Wandstärken
Anschlüsse
Einbauten
gewünschtes Regelwerk
Prüfanforderungen
Dokumentationsumfang
Je früher diese Angaben vorliegen, desto zuverlässiger lässt sich feststellen, welcher Herstell- und Prüfprozess erforderlich ist. Was gehört in eine Fertigungsanfrage?
AD 2000 HP 0 bei stainlesstec
stainlesstec hat den Geschäftsbereich Druckbehälter 2016 aufgebaut und ist für den Druckbehälterbau nach AD 2000 HP 0 in Verbindung mit DIN EN ISO 3834-3 zertifiziert.
Typische Tätigkeitsfelder sind Prozessbehälter für Pharma- und Lebensmittelanwendungen, Druckbehälter, Wärmetauscherkomponenten und Vakuumkammern.
Das Zertifikat ist die Voraussetzung – die Spezifikation bestimmt den Behälter
AD 2000 HP 0 zeigt, dass ein Hersteller die organisatorischen und technischen Voraussetzungen für qualifizierte Druckgerätefertigung innerhalb seines bestätigten Geltungsbereichs besitzt. Ob ein konkretes Projekt darunter fällt, entscheidet sich erst anhand von Druck, Medium, Temperatur, Werkstoff, Konstruktion, Regelwerk und Prüfanforderungen.