Was bedeuten Q2, BK2 und die Herstellerqualifikation?
Wer geschweißte Bauteile für wehrtechnische Anwendungen beschafft, stößt schnell auf Bezeichnungen wie DIN 2303, Q1, Q2, BK2 und Herstellerqualifikation. Sie werden häufig nebeneinander genannt – bedeuten aber nicht dasselbe.
Besonders wichtig: Q2 ist keine Bauteilklasse. Und BK2 ist keine Schweißerqualifikation.
DIN 2303 betrachtet mehrere Ebenen: den Hersteller, die eingesetzten Werkstoffe und Verfahren, die Einstufung des Bauteils sowie die erforderliche Qualifikation von Personal und Prozessen.
Was regelt DIN 2303?
DIN 2303 trägt den Titel „Schweißen und verwandte Prozesse – Qualitätsanforderungen an Herstell- und Instandsetzungsbetriebe für wehrtechnische Produkte“.
Betriebe, die bei Herstellung oder Instandsetzung wehrtechnischer Produkte für die Bundeswehr thermische Fügeprozesse – Schweißen, Hartlöten, thermisches Spritzen – anwenden, benötigen eine Bescheinigung über die Herstellerqualifikation nach DIN 2303. Die Norm gilt für Dienststellen der Bundeswehr wie für zivile Betriebe. Sie gilt nicht für handelsübliche Produkte, die ohne wesentliche Änderungen zivil wie militärisch eingesetzt werden können. Gefordert wird eine Bescheinigung für die Bauteilklassen BK1 bis BK3.
Die Norm betrifft also nicht jedes Bauteil, das irgendwann militärisch eingesetzt wird – entscheidend ist die konkrete wehrtechnische Produktspezifikation und Beschaffungssituation. Ergänzend, erläuternd und korrigierend gelten die Festlegungen der A-Z-Sammlung des Erfahrungsaustausches der anerkannten Stellen. Informationsblatt zur DIN 2303 (PDF)
Was ist eine Herstellerqualifikation?
Die DIN-2303-Bescheinigung bezieht sich nicht auf einen einzelnen Schweißer, sondern beschreibt die Qualifikation eines Herstellbetriebs für einen definierten Umfang. Dazu gehören Anforderungen an:
Schweißaufsicht
qualifiziertes Ausführungspersonal
anerkannte Schweißanweisungen
eingesetzte Werkstoffe
Schweißverfahren
Prüfungen
Rückverfolgbarkeit
Qualitätssicherung
Gefordert sind qualifizierte Schweißer beziehungsweise Bediener nach DIN EN ISO 9606, 14732 und 14918 sowie anerkannte Anweisungen; für die Klassen Q2 bis Q4 beruht deren Anerkennung grundsätzlich auf Verfahrensprüfungen, bei Q1 ist auch eine Anerkennung nach DIN EN ISO 15610 zulässig.
DIN 2303 qualifiziert damit nicht nur die Naht, sondern die organisatorischen und technischen Voraussetzungen des Herstellers.
Was bedeutet Q2?
Hier entsteht besonders häufig ein Missverständnis: Q1 und Q2 sind keine Qualitätsnoten im Sinn von „gut“ und „besser“.
Die Klasse der Herstellerqualifikation beschreibt die Einteilung der Werkstoffe unter Berücksichtigung ihrer fügetechnischen Verarbeitungsbedingungen bei Wärmeeinbringung (Q1 bis Q3) beziehungsweise ihrer produktentsprechenden Einsatzfähigkeit (Q3 und Q4).
Q2 beschreibt also einen Qualifikationsumfang für bestimmte Werkstoffe – nicht ein höheres Qualitätsniveau als Q1. Wer beide Klassen führt, deckt entsprechend beide Werkstoffbereiche ab.
Q1 bis Q4 – vereinfacht erklärt
Klasse der Herstellerqualifikation
Grundprinzip
Q1
produktunabhängig die Werkstoffgruppen 1.1, 1.2, 1.4, 21, 22 und 8.1 nach DIN CEN ISO/TR 15608
Q2
produktunabhängig alle übrigen Gruppen dieses Fachberichts
Q3
produktabhängig nur ausgewählte Werkstoffe nach Technischen Lieferbedingungen – Panzerungsfunktion
Q4
produktabhängig nach eigenen Luftfahrtnormen, etwa DIN ISO 24394, DIN ISO 11745, DIN ISO 16338
Wichtiger als die Aussage „Wir haben Q2″ ist deshalb die Bescheinigung selbst: Entscheidend ist, welche Werkstoffe und Verfahren tatsächlich im Zertifikatsumfang enthalten sind.
Was bedeutet BK – und warum ist Q2 nicht BK2?
BK steht für Bauteilklasse und ist von der Herstellerqualifikationsklasse Q zu unterscheiden. Die Zuordnung eines wehrtechnischen Produkts zu einer Bauteilklasse erfolgt in Abhängigkeit von Beanspruchungsart, Sicherheitsbedeutung und Einsatzfähigkeit.
Q – für welche Werkstoff- und Fertigungsbereiche ist der Hersteller qualifiziert?
BK – welche sicherheits- und einsatzbezogene Bedeutung hat das konkrete Bauteil?
Die Bezeichnungen sehen ähnlich aus, beschreiben aber unterschiedliche Dinge. Ein Zertifikat kann etwa die Herstellerqualifikation Q1/Q2 und die Bauteilklasse BK2 ausweisen – das bedeutet nicht, dass Q2 automatisch zu BK2 gehört. Die Kombination ergibt sich aus dem Zertifizierungsumfang des Herstellers und der Einstufung der Bauteile.
Warum sind die Schweißverfahren im Zertifikat aufgeführt?
Eine DIN-2303-Qualifikation gilt nicht pauschal für jedes denkbare Schweißverfahren. Das Zertifikat weist aus, welche Verfahren der Hersteller innerhalb des qualifizierten Umfangs anwenden darf – mit ihren standardisierten Prozessnummern. Dazu können gehören:
Dasselbe gilt für die Werkstoffe. Eine vorhandene DIN-2303-Bescheinigung bedeutet nicht, dass ein Unternehmen jeden metallischen Werkstoff innerhalb der Norm schweißen darf – die Bescheinigung nennt die qualifizierten Werkstoffgruppen. Das ist insbesondere relevant bei:
besonderen Edelstählen
nichtmagnetisierbaren Werkstoffen
hochlegierten Werkstoffen
Aluminiumlegierungen
speziellen wehrtechnischen Materialien
Bei der Lieferantenauswahl sollte deshalb immer der konkrete Zertifikatsumfang mit der Bauteilspezifikation abgeglichen werden. Alle Grundwerkstoffe sind mit Bescheinigungen nach DIN EN 10204 nachzuweisen; für Schweißzusätze kommen CE-Zeichen, Bescheinigungen nach DIN EN 10204 sowie Zulassungszertifikate beziehungsweise Kennblätter hinzu.
Was bedeutet DIN CEN ISO/TR 15608?
Die in DIN-2303-Zertifikaten angegebenen Nummern wie 8.1, 8.2, 22 oder 23 sind Werkstoffgruppen nach DIN CEN ISO/TR 15608. Diese Systematik gruppiert metallische Werkstoffe anhand ihrer metallurgischen und schweißtechnischen Eigenschaften – dadurch muss ein Zertifikat nicht jede einzelne Werkstoffnummer separat aufführen.
Trotzdem bedeutet die Zugehörigkeit zu einer Gruppe nicht, dass jede konkrete Anwendung ohne weitere Prüfung abgedeckt ist. Zeichnung, Technische Lieferbedingungen, Schweißanweisung und projektspezifische Anforderungen bleiben maßgeblich.
Warum ist die Schweißaufsicht wichtig?
Bei qualifizierter Schweißfertigung reicht es nicht, gute Schweißer einzusetzen – der Betrieb benötigt auch eine geeignete Schweißaufsicht. Deren erforderliche Qualifikation richtet sich nach der Bauteilklasse: Auf Grundlage von DIN EN ISO 14731 sind die Stufen A bis C festgelegt, wobei Stufe A die höchste Qualifikation beschreibt. Betriebe müssen über verantwortliches und stellvertretendes Aufsichtspersonal verfügen.
Die Schweißaufsicht trägt unter anderem dazu bei, dass:
geeignete Verfahren eingesetzt werden
gültige Schweißanweisungen vorliegen
qualifiziertes Personal eingesetzt wird
Werkstoffe und Zusatzwerkstoffe korrekt zugeordnet sind
Prüf- und Dokumentationsanforderungen eingehalten werden
DIN 2303 ist damit wesentlich mehr als eine persönliche Schweißerprüfung. Unsere Spezialschweißer
Was bedeutet Q2 in der täglichen Fertigung?
Für einen Fertigungsbetrieb wirkt sich eine solche Qualifikation auf die Organisation des gesamten Prozesses aus:
Werkstoff – Material muss eindeutig identifiziert und dem Auftrag zugeordnet werden.
Schweißzusatz – Zusatzwerkstoffe müssen zu Verfahren und Werkstoff passen und nachgewiesen sein.
Personal – nur entsprechend qualifiziertes Personal darf die vorgesehenen Arbeiten ausführen.
Schweißanweisung – der Prozess muss auf einer anerkannten Verfahrensgrundlage beruhen.
Prüfung – vorgeschriebene Prüfungen müssen qualifiziert durchgeführt und dokumentiert werden; für die Qualität der Verbindungen gelten grundsätzlich DIN EN ISO 5817 beziehungsweise DIN EN ISO 10042.
Dokumentation – der Herstellprozess muss nachvollziehbar bleiben.
Die eigentliche Qualifikation zeigt sich deshalb im Prozess hinter dem Zertifikat.
Was hat DIN 2303 mit Rückverfolgbarkeit zu tun?
Bei wehrtechnischen Bauteilen ist häufig wichtig, nachvollziehen zu können:
welcher Werkstoff verwendet wurde
welches Materialzeugnis dazugehört
welcher Schweißzusatz verwendet wurde
welches Verfahren angewendet wurde
wer geschweißt hat
welche Prüfungen durchgeführt wurden
Welche Dokumentation konkret erforderlich ist, ergibt sich aus Bauteil, Zeichnung, Normen, Technischen Lieferbedingungen und Vertrag. DIN 2303 bildet dafür einen qualifizierten organisatorischen Rahmen. Qualität & Zertifizierungen
Was bedeutet DIN 2303 bei nichtmagnetisierbaren Bauteilen?
Bestimmte maritime und wehrtechnische Anwendungen verlangen sehr geringe magnetische Eigenschaften. Hier reicht es nicht, einen als nichtmagnetisierbar spezifizierten Edelstahl einzukaufen: Bearbeitung und insbesondere thermische Fügeverfahren können die Eigenschaften eines Werkstoffs beeinflussen. Relevant sein können deshalb:
definierter Werkstoff
kontrollierte Materialführung
geeignete Schweißzusätze
qualifizierte Schweißparameter
definierte Umformung
geeignete Nachweise und Prüfungen
Nichtmagnetisierbar ist damit nicht nur eine Materialfrage, sondern kann zur Prozessanforderung werden. Das konkrete Vorgehen ergibt sich immer aus der jeweiligen wehrtechnischen Spezifikation. Wehrtechnik & Marine
Darf ein Hersteller mit Q2 jedes Wehrtechnik-Bauteil fertigen?
Nein – das ist einer der wichtigsten Punkte. Eine DIN-2303-Bescheinigung gilt nur innerhalb ihres festgelegten Umfangs. Zu prüfen sind:
Bauteilklasse – passt die ausgewiesene BK zum Projekt?
Werkstoff – ist die entsprechende Werkstoffgruppe erfasst?
Schweißverfahren – ist das vorgesehene Verfahren Bestandteil der Qualifikation?
Schweißanweisung – ist der konkrete Prozess qualifiziert?
Bauteilspezifikation – welche zusätzlichen Anforderungen enthalten Zeichnung oder Technische Lieferbedingung?
Kundenvorgaben – sind zusätzliche Freigaben erforderlich?
Das Zertifikat definiert die Voraussetzungen. Die Produktspezifikation definiert den Auftrag.
Was sollte ein Einkäufer im DIN-2303-Zertifikat prüfen?
Eine kurze Checkliste:
Ist das Zertifikat noch gültig? Bescheinigungen werden mit einer maximalen Gültigkeitsdauer von drei Jahren erteilt.
Welche Herstellerqualifikationsklassen sind eingetragen?
Welche Bauteilklasse ist ausgewiesen?
Welche Schweißverfahren sind enthalten?
Welche Werkstoffgruppen sind enthalten?
Welche Stelle hat die Bescheinigung ausgestellt?
Passt dieser Umfang tatsächlich zur eigenen Zeichnung und Spezifikation?
Der Schriftzug „DIN 2303″ auf einer Website reicht für diese Prüfung nicht aus. Die Bescheinigungen lassen sich im Online-Register der zivilen Leitstelle nachsehen.
DIN 2303 bei stainlesstec
stainlesstec ist im offiziellen DIN-2303-Register mit einer Herstellerqualifikation Q1 und Q2 sowie der Bauteilklasse BK2 geführt:
Eintrag im Register
Stand
Unternehmen
stainlesstec GmbH, Hildesheim
Zertifikatsnummer
Q2BK21332024
Herstellerqualifikationsklasse
Q1, Q2
Bauteilklasse
BK2
Prozesse
52 – Laserstrahlschweißen 131 – Metall-Inertgasschweißen mit Massivdrahtelektrode 141 – Wolfram-Inertgasschweißen mit Massivdraht- oder Massivstabzusatz
Werkstoffgruppen
8.1 und 8.2 nach DIN CEN ISO/TR 15608
Gültig bis
1. April 2028
Ausstellende Stelle
SLV Hannover
Maßgeblich ist immer der Eintrag im Register beziehungsweise die Bescheinigung selbst. DIN 2303 Q2 bei stainlesstec
Was bedeutet das für ein konkretes Projekt?
Auch mit vorhandener DIN-2303-Qualifikation sollte zunächst geprüft werden, ob Bauteilklasse, Werkstoff, Schweißverfahren, Konstruktion, Prüfanforderungen und Dokumentation vom vorhandenen Qualifikationsumfang und den kundenseitigen Vorgaben abgedeckt sind.
Für eine erste Bewertung helfen technische Zeichnung, Werkstoffangabe, vorgesehene Bauteilklasse und die relevanten Technischen Lieferbedingungen. Was gehört in eine Fertigungsanfrage?
Q2 ist eine Qualifikation – entscheidend ist der Umfang dahinter
DIN 2303 schafft einen qualifizierten Rahmen für die Herstellung und Instandsetzung geschweißter wehrtechnischer Produkte. Ob ein Hersteller für ein bestimmtes Bauteil geeignet ist, lässt sich jedoch erst beurteilen, wenn Bauteilklasse, Werkstoffgruppe, Verfahren und Projektspezifikation gemeinsam betrachtet werden.